seit 1985 mitten im Chrieschwitzer Hang
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Plauener Apotheker und Naturforscher

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Kurt Mothes

Nur wenige geborene Plauener haben so viel Wertschätzung erfahren wie der sechsfache Ehrendoktor Kurt Mothes. Ursprünglich Apotheker, hat er durch vielseitige und breite wissenschaftliche Leistungen, insbesondere in der Pflanzenforschung, große Verdienste erworben.

Die Namensgebung der Kurt-Mothes-Apotheke ist ein Andenken an seine wissenschaftlichen Leistungen in Plauen. Gleichwohl sind seine Ideale von einer kundenfreundlichen und wissenschaftlich fundierten Pharmazie heute Teil unserer Firmenphilosophie.

Kurzfassung:

  • geboren 1900 in Plauen
  • Ausbildung in Plauener Apotheken
  • 1921 Beginn des Pharmaziestudiums in Leipzig
  • 1934 Berufung als Professor für Botanik und Pharmakognosie in Königsberg
  • 1945-49 sowjetische Kriegsgefangenschaft
  • ab 1949 Forschungsarbeit in Gaterleben und Halle
  • 1951-1966 mehrere Professuren in Halle
  • 1954-1974 Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher „Leopoldina“
  • 1968 Aufnahme in den Orden für Wissenschaft und Künste „Pour le Mérite“
  • 6-facher Ehrendoktor
  • verstorben 1983 in Ahrenshoop
  • 1985 Namensverleihung der Kurt-Mothes-Apotheke in Plauen

Kindheit und Jugend in Plauen

Kurt Albin Mothes wurde am 03. November 1900 als 3. Kind des städtischen Beamten Albin Mothes und seiner Frau Anna in Plauen geboren. In kärglichen Verhältnissen wuchs er auf und verlor schon früh seine Mutter. Er war ein kränkelnder Junge, was ihm in der Schulzeit einige Probleme bereitete.

Die Liebe zu seiner vogtländischen Heimat und der Natur wuchs durch sonntägliche Wanderungen und Exkursionen mit seinem Vater. In seinem späteren Dienstzimmer an der Universität hing ein großes Gemälde, das eine vogtländische Landschaft in Abendstimmung zeigte, als Ausdruck der lebenslangen Verbundenheit mit dem Vogtland.

Kurt Mothes besuchte die Oberrealschule in Plauen. Nach einem kriegsbedingten Notabitur und Rekrutenzeit begann er 1918 seine Apothekenlehre in der Johannes-Apotheke in Plauen.

1920 schloss er die Lehre mit der pharmazeutischen Vorprüfung mit ”Sehr gut” ab.

Bis zum Beginn seines Pharmaziestudiums in Leipzig (Ostern 1921) war er noch ein Jahr als Apothekerassistent in der Schwan-Apotheke in Plauen tätig. Von beiden Apothekeninhabern (A. Sachoritz und Dr. W. Schulze) wurde Kurt Mothes als lernbegieriger, geschickter, gewandter und zuverlässiger Mensch charakterisiert.

Studium in Leipzig, Assistent in Halle

Nach zwei Jahren des Studiums legte Kurt Mothes das Staatsexamen in Pharmazie mit ”Sehr gut” ab. Mit der Promotion über den Stickstoff-Stoffwechsel höherer Pflanzen zum Dr. phil. im August 1925 endete die Leipziger Zeit. Er wurde danach Assistent am Botanischen Institut der Universität Halle.

1928 wurde Dr. Kurt Mothes Privatdozent. Vorausgegangen war die erfolgreiche Habilitation über den Nikotin-Stoffwechsel in der Tabakpflanze.

Familie

1929 heiratete Kurt Mothes die in Germanistik promovierte Dr. Hilda Eilts. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor - 1931 Ute, 1933 Georg und 1935 die Zwillingsbrüder Winrich und Heinrich.

Professur in Königsberg (heute Kaliningrad)

1934 erhielt er einen Ruf nach Königsberg und wurde dort Professor für Botanik und Pharmakognosie. Dort war er tätig bis 1945, zuletzt als einzig verbliebener Apotheker von Königsberg, und leitete den Wehrkreissanitätspark. Die Familie Mothes hatte Königsberg bereits im Herbst 1944 nach einem Bombenangriff verlassen, bei dem das Institut und die Wohnung abgebrannt waren. Prof. Mothes blieb bis zur Einnahme durch die Rote Armee und kam erst im Herbst 1949 aus sowjetischer Gefangenschaft, wo er als Holzfäller und im Bergwerk hart arbeiten musste, nach Hause.

Forschung in Gatersleben, Professuren in Halle

In Gatersleben bei Aschersleben begann ein neuer Abschnitt am Institut für Kulturpflanzenforschung. Als Leiter der chemisch-physiologischen Abteilung widmete er sich insbesondere dem Stickstoffstoffwechsel der Pflanzen.

Mehrere Professuren an den Lehrstühlen für Pharmakognosie, Allgemeine Botanik und Biochemie an der Universität Halle in den Jahren 1951-1966 sowie viele Ehrungen, über 30 Mitgliedschaften in Akademien und Wissenschaftlichen Gesellschaften rund um den Erdball (z. B. Royal Society London) sowie 6 Ehrendoktorwürden zeichnen ein deutliches Bild von seinem wissenschaftlichen Format. 1968 wurde er in den Orden „Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste“ aufgenommen.

Kritik als Leopoldina-Präsident an Wissenschaftspolitik der SED

1954 wurde Prof. Mothes zum 22. Präsidenten der (gesamtdeutschen) Deutschen Akademie der Naturforscher ”Leopoldina” gewählt. [heute Nationale Akademie der Wissenschaften]

Diese älteste deutsche Akademie, gegründet 1652 in Schweinfurt, verstand sich zu allen Zeiten als Akademie aller deutschsprachigen Naturwissenschaftler. Ihr Credo ”Die Natur zum Segen der Menschheit erforschen” und ihre internationale Ausrichtung verursachten manche Spannungen mit der DDR-Führung.

Prof. Mothes scheute auch vor öffentlichen Disputen mit Kurt Hager und Walter Ulbricht nicht zurück, kritisierte vor allem die Behinderung der freien Forschung und Lehre durch staatliche Restriktionen und weltanschauliche Bevormundung.

Überliefert ist sein Ausspruch im Rahmen seiner Kritik an der DDR-Hochschulreform von 1968: „Wenn die DDR so weiter macht, wird sie nie einen Nobelpreisträger hervorbringen.“ Mothes behielt recht.

Bis 1974 übte Prof. Mothes das Amt des Akademiepräsidenten als international geachteter und geschätzter Wissenschaftler aus. Sein großes Ansehen im westlichen Ausland schützte ihn weitgehend vor direkten Repressalien der SED-Führung. Besonders als er die gesamtdeutsche Arbeit der Akademie auch nach dem Mauerbau stets betonte, stand er im Fokus der Machthaber. Er bekam auch die Einschränkungen der Reisefreiheit zu spüren. Ebenso wurde ihm eine umfangreiche Überwachung durch die Staatssicherheit zuteil. Zeitweise wurde der Kreis von Wissenschaftlern um Mothes in Halle als „reaktionäres Zentrum“ von der SED eingestuft.

Kurt Mothes als Mensch

Kurt Mothes war nicht nur Wissenschaftler und Präsident. Seine charismatische Persönlichkeit war allseits geschätzt und beliebt. Dies kommt zum Ausdruck durch seine Menschlichkeit und Geradlinigkeit, seine Fürsorge für die Mitarbeiter bis hin zum Hausmeister und seinen Kampf gegen jede Form von Scheinheiligkeit.

Schon als Student war er maßgeblich an der Organisation eines eigenständigen Studentenwerkes mit eigener Mensa in der Zeit der Weltwirtschaftskrise beteiligt. Später war er für sein fröhliches Naturell, insbsondere bei Faschingsfeiern mit seinen Studenten, bekannt.

Die Prämie für seinen Nationalpreis 1953 teilte er zwischen seinen Mitarbeitern und einer Spende für die Gaterslebener Kirchenglocken auf.

Darüberhinaus war Kurt Mothes Domherr in Naumburg und leidenschaftlicher Jäger, Letzteres bis ins hohe Alter.

Während eines Spaziergangs am 12. Februar 1983 im verschneiten Darßwald bei Ahrenshoop wurde dieser große Lebenslauf durch einen Infarkt beendet. Ein schlichter Grabstein ohne jegliche akademischen Titel schmückt sein Grab in Ahrenshoop. Auch dies ist Ausdruck der Bescheidenheit von Kurt Mothes, der nie ein großes Aufheben um sich machte.

Namensgebung der Kurt-Mothes-Apotheke

1985 wurde im Vorfeld der Eröffnung für die neuerrichtete Apotheke am Chrieschwitzer Hang ein Name gesucht. Gegen einigen Widerstand offizieller Stellen gelang es dem damaligen Kreisapotheker, OPhR M. Schröder, der Anregung von Dr. Dietrich Neubauer folgend, dem Plauener Apotheker und Wissenschaftler, Kurt Mothes, eine würdige Ehrung zuteil werden zu lassen.

Zu seinem 100. Geburtstag, am 03. November 2000 wurde gemeinsam mit dem Sohn Dr. Winrich Mothes und anderen Ehrengästen eine Gedenktafel an der Kurt-Mothes-Apotheke enthüllt. Dem ging eine umfangreiche Recherchearbeit durch Apotheker Jens Kreisel voraus.

Bestandteil der Firmenphilosophie der Kurt-Mothes-Apotheke

Die Person Kurt Mothes ist durch seine Menschlichkeit und seine großen wissenschaftlichen Leistungen für das heutige Team der Kurt-Mothes-Apotheke ein echtes Vorbild im Streben nach einer kundenfreundlichen und wissenschaftlich fundierten Pharmazie.