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Tinnitus - eine Volkskrankheit?

Tinnitus oder Ohrensausen?

Häufiger als das relativ neue Wort “Tinnitus” ist in der Umgangssprache der Begriff “Ohrensausen” geläufig.

Es meint die Wahrnehmung von Tönen und Geräuschen (Pfeifen, Sausen, Brummen, Rauschen, Knacken) die von anderen Personen nicht gehört werden können. Die meisten Betroffenen leiden unter hohen Pfeiftönen (bei etwa 5600 Hz.)

Diese Ohrgeräusche können allein oder in Verbindung mit anderen Symptomen auftreten, wie z. B. der Verlust der Hörfähigkeit beim Hörsturz oder Drehschwindel beim Morbus Menière.

Je nach Dauer dieser Ohrgeräusche unterscheidet man den akuten Tinnitus (bis zu drei Monate), den subakuten Tinnitus (3 - 6 Monate) und den chronischen Tinnitus (mehr als 6 Monate).

Bei den chronischen Fällen wird noch einmal nach Schweregrad unterschieden. Das meint die Auswirkungen, wie sehr diese Geräusche das Leben der Betroffenen beeinträchtigen.

In schweren Fällen kann es dadurch zu Folgeerkrankungen, wie Angstzustände, Schlafstörungen und Depressionen kommen. Etwa die Hälfte der chronischen Fälle leidet an diesen Folgen. Hier ist ärztliche Hilfe unbedingt erforderlich.

Wie oft gibt es Tinnitus?

Etwa 3 Millionen Bürger in unserem Land hatten bei einer Studie Ende der 90er Jahr Tinnitus. Davon waren über 90 % chronisch erkrankt.

Bei dieser Untersuchung wurde auch festgestellt, dass 10 Millionen Mitbürger schon mal Ohrgeräusche hatten, die länger als 5 Minuten andauerten.

Sogar jeder 4. in Deutschland hatte bislang mindestens einmal Ohrgeräusche. Jährlich steigt die Zahl der chronischen Tinnitus-Patienten um 270.000. Hilfen und Informationen für Betroffene gibt insbesondere die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL).

Was ist die Ursache für Tinnitus?

Über die Entstehung der Ohrgeräusche gibt es verschiedene Theorien:

Einerseits werden Durchblutungsstörungen der kleinsten Innenohrgefäße, ähnlich wie beim Hörsturz, angenommen (Störung der Mikrozirkulation). Diese Störungen können in der Entstehung durch folgende Faktoren begünstigt werden:

  • Stress-Situationen
  • Beziehungsprobleme
  • Lärmbelastung
  • Erkrankungen der Halswirbelsäule (z. B. Schleudertrauma nach Auto-Unfällen)
  • Fehlstellungen der Kiefergelenke
  • Durchblutungsstörungen bei Arteriosklerose
  • Autoimmunerkrankungen
  • Mittelohrentzündungen
  • Akustikusneurinom (ein Tumor)
  • Vergiftungen und Medikamente

Teilweise geht man auch von Schäden an den Sinneszellen im Ohr (Haarzellen) durch die genannten Faktoren ein.

Eine andere Theorie basiert auf der Annahme, dass Tinnitus ein Grundgeräusch unseres Hörsystems ist, das prinzipiell jeder Mensch hat. Unser Hörsystem ist normalerweise so abgeschirmt, dass es längst nicht alle Geräusche bewußt hört. Auch viele regelmäßige, gewohnte Umgebungsgeräusche (wie das Ticken der Uhr) nehmen wir nicht bewußt war. Wir haben uns daran gewöhnt. Erst wenn der schützende Filter des Gehirns beeinträchtigt ist, werden diese Grundgeräusche für uns störend hörbar. Insbesondere für den chronischen Tinnitus, der eher geringe Heilungschancen hat, ist dieser Ansatz hilfreich.

Wie wird Tinnitus behandelt?

Insbesondere der akute Tinnitus ist genau wie der Hörsturz, ein Notfall für den HNO-Arzt. Hier wird mit Infusionen durchblutungsfördernder bzw. blutverdünnender Mittel und Cortison behandelt. Bei einem Innenohrschaden, z. B. nach einem Knalltrauma, wird Sauerstoff in einer Überdruckkammer eingesetzt. Die Spontanheilung bei akutem Tinnitus (D. h. die Auslöschung des Ohrgeräusches) liegt bei 70 %. Insbesondere die Ruhigstellung zum Stressabbau ist dafür sehr wichtig.

Chronische Fälle werden mit dem Ziel der Normalisierung der Lebens- und Arbeitsfähigkeit therapiert. Durch spezielle Hörsysteme kann versucht werden, mit bestimmten Geräuschen, z. B. durch Rauschen oder Musik die lästigen Ohrgeräusche zu überdecken. Das ist bei Schlafstörungen oft eine wirkungsvolle Hilfe.

Die sogenannte “Tinnitus-Retraining-Therapie” (TRT) beabsichtigt, zu lernen, das Tinnitusgeräusch zu überhören, genauso wie man das eigene Schluckgeräusch nicht wahrnimmt.

Bei Vorliegen von Durchblutungsstörungen als Einflußfaktor, kann durch eine bessere Mikrozirkulation, beispielsweise durch hoch dosierte Ginkgo-Extrakte (Gingium®, Tebonin®, Roekan® u. a.), eine Linderung der Beschwerden erreicht werden.

Auch wenn viele Auswirkungen des Tinnitus psychisch sind, liegen immer auch organische Ursachen zu Grunde. Hin und wieder hat eine zahnärztliche Behandlung Erfolg gehabt.

In schwereren Fällen kann aber dennoch eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt sein.

Hoffnung macht in jedem Fall, dass auch bei chronischem Krankheitsverlauf eine Bewältigung, d. h. ein Leben mit der Krankheit, bei Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit möglich ist.

Prophylaxe

Vorbeugend ist die Hörerziehung, besonders für Kinder und Jugendliche wichtig. Hörschäden durch starke Lärmbelastung, wie laute Musik oder ständiges Hören mit Ohrhörern könnten vermieden werden. Zu diesem Zweck werden Hörhygiene und Hördisziplin von der Deutschen Tinnitus-Liga zur Prävention des Tinnitus propagiert.

(Weitere Informationen der Deutschen Tinnitus-Liga im Internet unter www.tinnitus-liga.de)