Seit 1985 mitten im Chrieschwitzer Hang

So entstand die Kurt-Mothes-Apotheke

Baugeschichte

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre wurde das Wohngebiet "Chrieschwitzer Hang" mit den damals DDR-typischen Plattenbauten errichtet. Der erste Spatenstich fand bereits am 03. Januar 1977 statt. Der letzte Block in der Dr.-Theodor-Brugsch-Straße wurde erst nach der politischen Wende 1989/90 fertiggestellt. Seit 1983 fährt die Straßenbahn bis in den Chrieschwitzer Hang.

In den Anfangsjahren der Bautätigkeit befand sich im heutigen Apothekengebäude die Bauleitung des für diese Baustelle zuständigen Wohnungsbaukombinates (WBK) "Wilhelm Pieck" Karl-Marx-Stadt. Als dieses Gebäude dafür nicht mehr benötigt wurde, erfolgte der Umbau zur Apotheke.

Die detaillierten Planungen begannen 1984 und die Arbeiten kamen mit der Einweihung der Kurt-Mothes-Apotheke am 06. Dezember 1985 zum Abschluss. Das voll unterkellerte Gebäude mit Fahrstuhl, zwei Wasserdestillen und Kühlzelle ausgestattet, sollte die Versorgung der Einwohner im Chrieschwitzer Hang und umliegender Wohngebiete sicherstellen unter den Rahmenbedingungen der DDR-Mangelwirtschaft mit entsprechend notwendiger Vorratshaltung.

DDR-Versorgung

Normale Medikamenten-Bestellungen erfolgten nur einmal pro Woche und hatten eine Lieferzeit von mind. 14 Tagen vom nächsten Versorgungsdepot (VD). Manche Sortimente wurden nur einmal im Jahr beliefert. Demzufolge wurden große Lagerkapazitäten benötigt.

Nachhaltigkeit war bedingt durch die Mangelsituation erzwungener Maßen notwendig. So wurden die Gefäße für Salben oder Lösungen von den Patienten nach dem Gebrauch in die Apotheke zurück gebracht, gereinigt, sterilisiert und erneut verwendet.

Die Eigenherstellung hatte einen erheblichen Umfang, obwohl über die damalige Struktur der Pharmazeutischen Zentren auch eine zentrale Herstellung für die Apotheken, z. B. von Salbengrundlagen erfolgte.

Staatlicher Leiter der Kurt-Mothes-Apotheke wurde Apotheker PhR Manfred Jeuthe, der diese nach der Privatisierung 1990 dann als Inhaber bis zum 31. Dezember 1998 betrieb.

Informationen zur Namensgebung gibt es hier.

Wechsel von der Apotheke Reusa zur Kurt-Mothes-Apotheke

Mit der Eröffnung der Kurt-Mothes-Apotheke wurde die bis dahin seit 1965 arbeitende Apotheke Reusa geschlossen und ausgeräumt.

Das zuvor in Reusa arbeitende Personal wurde vollständig in die Kurt-Mothes-Apotheke "umgesetzt".

Die Apotheke Reusa wude erst 1990 durch PhR Dr. Eckart Schupp wiederbelebt und bis zum 31. Januar 2017 betrieben, danach aus Altersgründen geschlossen.

Knappe Berichterstattung zur Eröffnung

Die Freie Presse schreibt von der Eröffnung nur mit einer kleinen Notiz in der Ausgabe vom 07. Dezember 1985. Darin gab es keine offizielle Einweihungsfeier, sondern nur eine "Übergabe" der Apotheke.

Anlass der Eröffnung war der Tag des Gesundheitswesens in der DDR. Der wurde zum Geburtstag von Robert Koch am 11. Dezember begangen. Der tatsächliche Beginn des Betriebes wurde aus praktischen Erwägungen vorgezogen.

Regulär war die Kurt-Mothes-Apotheke ab Montag, dem 09. Dezember 1985, geöffnet. Zuvor wurde am 08. Dezember 1985 der Sonntags-Notdienst von der bereits geschlossenen Apotheke Reusa übernommen.

 

 

 

Freie Presse berichtet am 07. Dezember 1985:

 

Aufmerksame Leser bemerken sicher die damalige Straßenbezeichnung: "Dr.-Benjamin-Straße"

Dr. Hilde Benjamin (1902-1989) war in der DDR Justizministerin und an politisch motivierten Justizmorden beteiligt. Deshalb erfolgte nach der Friedlichen Revolution 1989 die Umbenennung der Straße nach dem Plauener Hautarzt Anton Kraus zur "Anton-Kraus-Straße".

Manchmal kommt es noch immer zu Verwechselungen mit der Georg-Benjamin-Straße, die sich gegenüber dem Hauptfriedhof befindet. Georg Benjamin war angesehener Chefarzt im Plauener Krankenhaus.

 

Wir begehen jeweils am "Übergabetag", dem 06. Dezember, den "Apothekengeburtstag" der Kurt-Mothes-Apotheke.

Allerdings sind besondere Aktionen den Apotheken in Deutschland nur bei durch 25 teilbaren Jubiläen aktuell erlaubt, also erst wieder 2035...

Wenige Fotos

Fotografien aus der Anfangszeit gibt es wenige und diese liegen nur in bescheidener Qualität vor. Sie zeigen die Ansicht einer heute nüchtern wirkenden, sozialistischen Apotheke - ohne Werbung, dafür mit Gardinen im Schaufenster...

 

Kinderwagen wurden ganz selbstverständlich draußen vor der Eingangstür "geparkt", denn innen war dafür kein Platz...